caring structures

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Mit: edna bonhomme, Lizza May David & Claudia Liebelt, Feministische Gesundheitsrecherchegruppe (Julia Bonn/Inga Zimprich), Johanna Hedva, Sophie Krambrich, Romily Alice Walden u. a.
31.10.2020 – 09.01.2021

AKTUELL:
Die Ausstellung am Angoulêmeplatz 2 bleibt im November geschlossen.
Mittwochs von 18 – 20 Uhr und Samstags und Sonntags von 12 – 18 Uhr ist die Audioinstallation Notes From The Underlands (2019) von Romily Alice Walden am Kehrwiederturm zu hören. Wir bemühen uns, im Verlauf des Monats die weiteren künstlerischen Arbeiten über diese Website zugänglich zu machen und hoffen die Ausstellung im Dezember wieder eröffnen zu können!

[english version]

“Jetzt könnte ein guter Zeitpunkt sein, unsere Vorstellung davon, wie eine Revolution aussehen könnte, zu überdenken. Vielleicht sind es keine wütenden, leistungsfähigen Körper, die als Demonstrationszug durch die Straßen ziehen. Vielleicht sieht es eher wie ein Stillstehen der Welt aus, weil alle Körper erschöpft sind - Care muss Priorität bekommen, bevor es zu spät ist.”

In dem Essay Get Well Soon (2020) skizziert Johanna Hedva ein Szenario, das im Frühjahr 2020 durchaus möglich zu sein schien. Es ist mit dem Appell und der Hoffnung verbunden, dass das Wissen um die universelle Verletzlichkeit aller Körper und die Einsicht in die gegenseitige Abhängigkeit zu einem gesellschaftlichen Umdenken führen. Care[1] zu priorisieren und Sorgearbeit zu leisten und-oder auf Sorgearbeit angewiesen zu sein, bedeutet in einer kapitalistisch strukturierten Gesellschaft immer auch, in Reibung mit den normierten und normierenden Vorstellungen von Produktivität und Leistung zu kommen. Es ist an der Zeit, den Ableismus[2] der Gesellschaft grundsätzlich in Frage zu stellen. 

Um einen Raum für ein kritisches und zukunftsweisendes Nachdenken über Sorgetragen zu eröffnen, bringt die Ausstellung caring structures Arbeiten verschiedener Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen zusammen. Sie forschen in Archiven zur selbstorganisierten Gesundheitsversorgung, denken über das Einander-Begegnen in Krisen nach, portraitieren Care-Arbeitende, formulieren das Manifest einer queeren und inklusiven Utopie, recherchieren Naturheilmethoden im Internet und geben Stimmen Raum, die nicht nur von Gesundheitssystemen strukturelle Diskriminierung erfahren. In Video- und Soundarbeiten, Zines, Aquarellen und Plakaten verweben sich aktivistische und subversive Taktiken mit dokumentarischen und poetischen Erzählweisen. Die Arbeiten regen zu einer Auseinandersetzung mit strukturellen wie individuellen Dimensionen von Care an und lösen die binären Vorstellungen von ‘krank’ und ‘gesund’, ‘leistungsfähig’ und ‘be_hindert’ auf. Dabei werden sorgetragende Strukturen erkennbar, die queer*feministische und kontrarassistische Forderungen ernst nehmen. Sie ermöglichen, sich eine inklusive und gewaltfreie Zukunft vorzustellen. 

Wie würde die Welt aussehen, wenn wir radikal mitdenken, dass wir alle von Krankheit betroffen sind?

 

[1]  Der Begriff Care hat im Englischen und im Deutschen eine vielfältige Bedeutung und meint unter anderem Sorgetragen, Aufmerksamkeit, Fürsorge, Pflege und Zuwendung. 

[2] Der Begriff Ableismus bezeichnet die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer körperlichen Fähigkeiten. Er ist angelehnt an den englischen Begriff ‚Ableism‘, der in den Disability Studies entwickelt wurde.

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Nora Brünger und Leona Koldehoff und in Zusammenarbeit mit Clara Kiehnlein, Maria Nesemann und Ben Leven durchgeführt.

 

GRAFISCHE GESTALTUNG:
Franziska Bauer und Rebekka Weihofen

PUBLIKATION:
Es wird eine Online-Publikation geben, die von Franziska Bauer und Rebekka Weihofen gestaltet wird. Die Veröffentlichung der Publikation ist für Anfang Dezember geplant.

FÖRDERER:
Die Ausstellung wird gefördert durch die Stiftung Niedersachsen, das Land Niedersachsen, die Friedrich Weinhagen Stiftung und die Stadt Hildesheim und unterstützt durch die Universität Hildesheim.
Das Vermittlungsprogramm des Kunstvereins Hildesheim wird durch das Land Niedersachsen und die VGH-Stiftung gefördert.

VOR ORT:
Zugangsinformationen
Der Ausstellungsraum Angoulêmeplatz 2 in der Hildesheimer Innenstadt ist ebenerdig zugänglich. Es ist ein Ort für Gespräche oder um eine Pause machen. Die kleine Bibliothek vor Ort mit Büchern auf Deutsch und Englisch, die von den Künstler*innen und den Kurator*innen ausgewählt worden sind, soll eine tiefere Auseinandersetzung mit den Themen der Ausstellung ermöglichen. 
Es stehen verschiedene Sitzmöglichkeiten zu Verfügung. Die Toiletten sind nicht barrierefrei. Es wird die Möglichkeit geben, eine barrierefreie Toilette in der Nähe zu nutzen.

Es stehen verschiedene Sitzmöglichkeiten zu Verfügung. Die Toiletten sind nicht barrierefrei. Es wird die Möglichkeit geben, eine barrierefreie Toilette in der Nähe zu nutzen.

Die Installation außen am Kehrwiederturm ist ebenerdig über Kopfsteinpflaster erreichbar. 

Für ergänzende Informationen oder Anfragen zur Zugänglichkeit schreiben Sie uns bitte eine E-Mail an info@kunstverein-hildesheim.de Wir bemühen uns um eine Möglichkeit, alle Zugangsbedürfnisse zu berücksichtigen. 

 

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