Landleben

Landleben

Antje Schiffers, Sandra Schäfer, Lotte Reimann, Eva Seiler, Jo Langenhoff, Heinrich Riebesehl, Asunción Molinos Gordo
26.04.2026 – 05.07.2026
Eröffnung:
Samstag, 25.April, 19:00 Uhr

Landleben

Kunst und Landwirtschaft bilden gesellschaftliche Sphären, die (vermeintlich) wenig Berührungspunkte haben. Und doch eint sie eines bestimmt: Wer hier oder dort arbeitet kann Beruf und Privatleben kaum voneinander trennen. Weder das eine noch das andere macht man nebenbei. Möglicherweise bergen beide Seiten dieser Erkenntnis Gründe, warum auffällig viele an diesem Programm beteiligten Personen einen biografischen Hintergrund mitbringen, der sie mit der Landwirtschaft verbindet.

Das Thema Landwirtschaft aber ist allgegenwärtig. Bauernproteste, Politik, Wirtschaft, aber auch empfundene Marginalisierungen prägen das Bild. Das Höfesterben ist seit den 1970er Jahren Thema, verbunden mit Existenzangst, Traditionsverlust, mit der Industrialisierung der Landwirtschaft, den Herausforderungen globalisierter Märkte und dem Kampf gegen die Bürokratie. Neben ökonomischen Fragen stellen sich solche der Ökologie. Dabei geht es auch um Versorgung und Versorgungssicherheit. Und um eine gerechte Verteilung von Lebensmitteln. Gleichzeitig gilt das Landleben als idyllisch, ist das bäuerliche Dasein immer wieder Gegenstand von Verklärung und Romantisierungen.

Dem Projekt „Landleben“ geht es ganz besonders um das Regionale, die Region. Die Böden der Hildesheimer Börde gelten als die fruchtbarsten in Deutschland. Sie bilden den Maßstab für den maximal erzielbaren Ernteertrag, und ermöglichen den Anbau anspruchsvoller Kulturen wie Zuckerrüben. Es ist auch die lokale Gegenwart landwirtschaftlicher Themen, die bei „Landleben“ zum Besuch aber auch zum Mitreden einlädt.

Bildnachweise:

Antje Schiffers: Bleckwenn, Garmissen. Acryl auf Holz, 2022
Sandra Schäfer: Westerwald - Eine Heimsuchung. (Videostill) VG Bild-Kunst, 2021
Eva Seiler: DNA, 2023. Foto: Lena Prehal
Jo Langenhoff: aus der Serie „Ich oder so“, 2023/24
Lotte Reimann: „Me in shit hole #1“ Aus der Arbeit „Hinterland“, 2020
Asunción Molinos Gordo:
 Bürokratie, 2022

Künstler*innen

Experimentelle kollaborative Prozesse stehen im Fokus der Arbeiten von Antje Schiffers. Mit „Ich bin gerne Bauer und möchte es auch gerne bleiben“ konzentriert sie sich auf die ländliche Kulturproduktion. Für das gemeinsam mit Thomas Sprenger verwirklichte Langzeitprojekt (seit 2000) bietet Antje Schiffers Bäuer*innen Tauschgeschäfte an: ein Gemälde von ihrem Hof gegen ein Video, in dem sie die Landwirt*innen, ihre Arbeit und ihren Betrieb filmen und kommentieren. Im August 2022 war die Künstlerin auf dem Hof der Familie Bleckwenn in Garmissen bei Hildesheim zu Gast.

 

Sandra Schäfer arbeitet installativ mit Fotografie und Film. Dabei geht es häufig um die Entfaltung und Neuinterpretation von Dokumenten, um Erzählungen und Gesten. Mit „Westerwald – Eine Heimsuchung“ (2021) verbindet Schäfer die Geschichte der landwirtschaftlich geprägten Region mit dem Mappenwerk von August Sander, der vor über hundert Jahren die Vorfahren der Künstlerin porträtiert hat.

 

Lotte Reimann versteht sich als Geschichtenerzähler*in, Forscher*in und Aktivist*in. Reimanns (Auto)biografische Erzählungen untergraben Stereotypen und binäre Machtverhältnisse. Mit der Videoarbeit „Hinterland“ erzählt Reimann von einem Amateurfotografen, der auf Flickr Fotos von Stromleitungen mit Aufnahmen von Frauen kombiniert, die mit Schlamm und Kuhdung bedeckt sind.

 

Die in Wien lebende Künstlerin Eva Seiler arbeitet mit organischen Materialien und industriellen Verbindungen zum Verhältnis von Mensch und Tier. Für das 2023 in der Steiermark entwickelte Kunstprojekt „Offene Felder“ entstand ihre Arbeit „Se Kuala se“, das Praktiken und Werkzeuge zitiert, die das Leben der Menschen in der Landwirtschaft prägen.

 

Die Fotografien von Jo Langenhoff sind im persönlichen Umfeld angesiedelt und beschäftigen sich mit elementaren menschlichen Aspekten des Lebens. Die Serie „Bauer oder bäuerlich“ verhandelt die mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung von Landwirt*innen, der Fotoessay „ich oder so“, für den Langenhoff den August Sander Preis erhielt, die eigene Geschlechtsidentität.

 

Mit seiner Serie „Agrarlandschaften“ hat Heinrich Riebesehl in den 1970er Jahren eine fotografische Bestandsaufnahme der Landwirtschaft in der Zeit ihrer zunehmenden Industrialisierung vorgenommen. Riebesehls lakonische Schwarzweißfotografien zeigen (menschenleere) Flurstücke, Silos, Höfe und landwirtschaftliche Infrastruktur in Niedersachsen. 

 

Asunción Molinos Gordo ist Forscherin und bildende Künstlerin. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der bäuerlichen Landwirtschaft, wobei sie Landwirte nicht nur als Lebensmittelproduzenten, sondern als kulturelle Akteure versteht. Die Fotografie „Bürokratie“ entstand 2022 in einem niedersächsischen Landwirtschaftsbetrieb in der Nähe von Soltau.